Planungs­dokumente: Bebauungsplan "Sandberg / Mummsche Koppel" (Nr. 302)

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Inhaltsverzeichnis

Begründung

7.4 Baumschutz

Entsprechend der Baumschutzsatzung der Stadt Flensburg vom 27.05.2004 sind im gesamten Stadtgebiet u.a. Laubbäume mit einem Stammumfang von mehr als 80 cm (für Nadelbäume 100 cm) in einer Höhe von 100 cm über dem Erdboden (vgl. § 3, Satzung zum Schutze der Bäume in der Stadt Flensburg) geschützt. Demnach ist es verboten, geschützte Bäume zu beseitigen, zu zerstören, zu schädigen oder ihre Gestalt zu verändern. Davon ausgenommen sind unter anderem Bäume in Knicks.

Die Baumschutzsatzung gilt u.a. nicht für:

  • Obstbäume, ausgenommen Esskastanie und Walnussbäume,
  • Bäume in Kleingartenparzellen in Dauerkleingärten (§ 1 Abs. 1 und 3
    Bundeskleingartengesetz - BKleingG), mit Ausnahme von
    Gemeinschaftsflächen,
  • Bäume in Knicks (§ 3 Satz 3 der Satzung zum Schutze der Bäume in der Stadt Flensburg vom 27.05.2004).

Da die zwei im Plan gekennzeichneten entfallenden Bäume im Geltungsbereich des Planes im Bereich der Kleingartenparzellen stehen, fallen diese nicht unter den Schutz der Satzung.

7.5 Artenschutz

Zur Vorbereitung der künftigen städtebaulichen Erschließung der Kleingartenkolonie 121 „Mummsche Koppel“ im Flensburger Stadtteil Sandberg, müssen die im Bereich der Kolonie befindlichen baulichen Anlagen (Gartenhütten, Wege, Leitungen etc.) und die Vegetation (geschnittene Hecken, Obstgehölze, Ziergehölze, Laub- und Nadelgehölze) entfernt und entsorgt werden. Hierbei sind die im Bundesnaturschutzgesetz verankerten Regelungen zum allgemeinen und speziellen Artenschutz (§§ 39 und 44 BNatSchG) zu beachten, bei denen wild lebende Tiere und Pflanzen oder ihre Lebensstätten weder beunruhigt, verletzt, getötet oder zerstört werden dürfen.

Die Berücksichtigung des speziellen Artenschutzes erfolgte auf Basis einer Relevanzprüfung in Form einer projektspezifischen Abschichtung des prüfungsrelevanten Artenspektrums. Nicht geprüft werden demzufolge die Arten, bei denen eine verbotsmäßige Betroffenheit durch die Bauleitplanung nach gegenwärtigem Wissenstand und auf der Basis allgemein anerkannter Prüfmethoden nicht angenommen werden kann (Verfahren bei der Aufstellung von Bauleitplänen und Satzungen nach dem BauGB, Erlass des Innenministeriums des Landes Schleswig-Holstein vom 18.11.2008). Das Vorkommen folgender europarechtlich geschützter Arten / Artengruppen (Anhang IV der FFH-Richtlinie) ist im Planungsbereich aufgrund der vorhandenen bzw. nicht vorhandenen Biotop- und Nutzungsstrukturen ausgeschlossen:

• Alle Pflanzenarten

• Alle Säugetiere (außer Fledermäuse)

• Alle Insektenarten (z.B. Libellen und Schmetterlinge)

• Alle holzbewohnende (xylobionte) Käferarten

• Alle Fische, Muscheln und Schnecken

Die zu den Säugetieren zählenden Fledermäuse haben einen z. T. sehr großen Raumanspruch an ihre Jagdgebiete und suchen jeweils artspezifisch entlang von linearen Gehölzstrukturen, Waldrändern und Gewässern nach Nahrung. Im Plangebiet existieren Bauwerke und Bäume, die als Fortpflanzungs- und Ruhestätten für Fledermäuse geeignet sein könnten. Gehölzquartiere mit Stammdurchmessern > 50 cm dienen Fledermäusen bei einem Vorhandensein entsprechender Eigenschaften (Höhlungen, Spalten etc.) als Wochenstube, Tagesversteck und ggf. auch als Winterquartiere (LBV-SH 2011). Solche Quartiere sind lediglich am Rand des Plangebietes durch größere Überhälter auf dem Knicks nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Da diese jedoch nicht beeinträchtigt werden, können artenschutzrechtliche Zugriffsverbote (Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten) für Fledermäuse ausgeschlossen werden.

Die geplante Beseitigung der Gebäude und Gehölzstrukturen innerhalb der Kleingartenkolonie 121 „Mummsche Koppel“ in der Stadt Flensburg führt nach einer Überprüfung geeigneter Ruhestätten (Winterlebensräume) von Fledermäusen im Dezember 2019 (Pro Regione, 2019), nicht zu Verstößen gegen die in den §§ 39 ff und 44 ff BNatSchG aufgeführten Verboten. Es wurden keine für Fledermäuse geeigneten Quartiere vorgefunden.

Die geschnittenen Hecken, Knicks und Einzelbäume im Plangebiet stellen einen Lebensraum für die Gilde der Vogelarten dar, die Gehölze und sonstige Baumstrukturen (einschließlich Knicks) besiedeln. Die Vogelarten in dieser Gilde sind ungefährdet und weisen in Schleswig-Holstein einen günstigen Erhaltungszustand auf. Der Verlust von Gehölzbiotopen (Knicks, Obstgehölze, Hecken) führt zu einem Verlust zahlreicher Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Brutvögeln aus der Gilde der Gehölz-brüter.

Baubedingt entstehen aufgrund von Material- und Bodentransporten sowie der Baumaßnahmen selbst temporäre Störungen durch Lärm, Erschütterungen und Bewegung.

Durch die Beschränkung von Gehölzrodungen gem. § 30 BNatSchG auf die Zeit zwischen dem 01. Oktober bis 28./29. Februar, können Störungen der Brutvögel im Plangeltungsbereich minimiert werden. Durch den Rückbau der Kleingartenanlagen innerhalb der Wintermonate (geringste/ keine Aktivität der Fledermäuse) zwischen dem 1. Dezember und dem 28. Februar können artenschutzrechtliche Verbotsverstöße in Hinblick auf Fledermäuse im Plangeltungsbereich vermieden werden.

Bei der Baufeldfreimachung kann es durch Lärm, Bautätigkeit und Bewegung zu einer Störung von angrenzenden Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Vögeln aus der Gilde der Gehölze und sonstigen Baumstrukturen einschließlich Knicks (Nester in Gehölzen) kommen. Die Brutvögel dieser Gilde verlieren zwar zunächst Lebensraumteile, da die Gehölzmasse bei den Erschließungsarbeiten für das Baugrundstück reduziert wird. Nach Beendigung der Bauarbeiten entstehen jedoch durch die geplanten Anpflanzungen von Einzelbäumen und Hecken wieder neue Gehölze, so dass langfristig die Gehölzmasse gleich bleibt. Mit Erhalt einer ca. 2.500 m² großen Grünverbindung im Süden und der Eingrünung durch Knicks wird ein Ausgleich für die Arten dargestellt. Die Grünfläche verbindet die östlich gelegenen mit den westlichen Grünflächen. Da es sich zudem um anpassungsfähige Arten handelt und die Umgebung genügend Lebensräume bereithält (angrenzende Kleingartenflächen und naturnahe Grünzüge) können diese Vogelarten ausweichen, so dass die Funktionen der Flächen erhalten bleiben.

Die Artenschutzrechtliche Prüfung (Pro Regione, 2019) ist den Planunterlagen beigefügt.

8. Berücksichtigung der Belange besonderer Bevölkerungsgruppen

Auf der Ebene der Bauleitplanung sind die Belange bestimmter Bevölkerungsgruppen nicht unmittelbar erkennbar. Im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung besteht grundsätzlich für jede gesellschaftliche Gruppe gleichermaßen die Möglichkeit der Einflussnahme. Soweit vorhanden werden aber die der Stadt Flensburg zugeordneten Beiräte oder Vertretende der jeweiligen Bevölkerungsgruppe beteiligt. Die im betroffenen Stadtteil organisierte Interessengemeinschaft oder Bürgervereinigung wird auf die Planung hingewiesen und erhält somit die Möglichkeit zum Vorbringen ihrer Anliegen. Übergeordnetes Ziel der Bauleitplanung ist es, im gesamten Stadtgebiet ein für alle Gruppen attraktives Wohnraumangebot zu schaffen, das eine wohnungsnahe Versorgung, einen kurzen, möglichst barrierefreien Zugang zu den Verkehrswegen und dem ÖPNV, den Arbeitsplätzen, den sozialen und kulturellen Infrastruktureinrichtungen sowie den Freizeit- und Erholungsräumen gewährleistet.