Planungs­dokumente: Bebauungsplan Nr. 11 der Gemeinde Selk "Baugebiet östlicher Moorredder" für das Gebiet nördlich und östlich der Straße Moorredder

Begründung

3.8.1 Biotope

Im September 2020 wurde eine Begehung des Plangebietes vorgenommen, bei der die vorhandenen Biotoptypen aufgenommen wurden. Das Plangebiet nordöstlich der Ortslage von Selk wird bislang überwiegend als Pferdekoppel genutzt und ist als mäßig artenreiches Grünland einzustufen (GYy). Das Grünland wird rundherum von Knicks (HWy) begrenzt. Ein Teil der östlich angrenzenden Ackerfläche (AAy) gehört zum Flurstück des Plangebietes, da der östliche Knick nicht auf der Flurstücksgrenze sondern in das Flurstück 90/5 hinein verläuft. Auf dem westlichen und dem östlichen Knick befindet sich je ein Strommast (SIe). Die bereits stillgelegte Leitung quert das Plangebiet. Im nordöstlichen Plangebiet befindet sich ein betonierter Güllebehälter (SDp), der im Rahmen der Erschließung der Wohnbauflächen zurückgebaut werden wird.

Abgesehen von den Knicks befinden sich im Plangebiet keine geschützten Biotope gem. § 30 BNatSchG i.V.m. § 21 LNatSchG.

Knicks

Die Knicks im Plangebiet gelten als geschützte Biotope gem. § 21 Abs. 1 Nr. 4 LNatSchG und sind bei der Planung entsprechend zu berücksichtigen:

  • Im östlichen Plangebiet verläuft ein Knick, der gemäß Vermessung jedoch nicht mittig auf der Flurstücksgrenze läuft, sondern in Richtung Norden immer weiter in das Plangebiet hinein verschwenkt. Der Knick ist mit Bruchweide und Berg-Ahorn bestockt. Der Bewuchs ist vor ca. 1-2 Jahren auf Stock gesetzt worden und daher strauchartig ausgeprägt. Auf dem Knick befinden sich zudem zwei Berg-Ahorne (Ø = ca. 30 bzw. 40 cm) sowie eine Stiel-Eiche (Ø = ca. 30 cm) als Überhälter.
  • Südlich begrenzt ein Knick das Plangebiet zum ‚Moorredder‘ hin. Als einzelner Überhälter ist hier ein Berg-Ahorn (Ø = ca. 30 cm) zu nennen. Ansonsten ist der Knick dicht mit Robinie, Brombeere, Schlehe und wenig Hasel bestockt.
  • Westlich befindet sich ein Knick, der das Plangebiet zu einer Hofstelle hin abgrenzt. Auf dem südlichen Abschnitt dieses Knick stocken zwei Berg-Ahorne (Ø = ca. 40 bzw. 50 cm) und eine Esche (Ø = ca. 30 cm) als Überhälter. Diese Bäume befinden sich gemäß Vermessung unmittelbar außerhalb des Plangebietes. Der Knick weist insgesamt wenig Bewuchs auf. Vereinzelt sind junge Stiel-Eiche und Schlehe vorhanden. Eine Koppelzufahrt befindet sich im nördlichen Abschnitt dieses Knicks.
  • Im Norden verläuft ein Knick entlang der Planbereichsgrenze. Der Knick ist nicht durchgängig, sondern endet am Güllebehälter. Als Überhälter stockt eine Stiel-Eiche mit einem Stammdurchmesser von ca. 80 cm auf dem Knick. Diese Stiel-Eiche befindet sich laut Vermessung außerhalb des Plangebietes. Ansonsten ist der Knickwall mit jungem Berg-Ahorn, Bruch- und Ohrweide bewachsen.

Knickschutz

Die Knicks an den Außengrenzen des Plangebietes sollen teilweise als geschützte Biotope erhalten werden und zur Abgrenzung und Eingrünung des neuen Wohngebietes dienen. Entlang der zu erhaltenden Knicks werden in der Planzeichnung (Teil A) in Richtung der neuen Bauflächen private Grünflächen mit der Zweckbestimmung 'Knickschutz' festgelegt. Diese weisen eine Breite von 3 m zum Knickfuß auf. Es wird eine textliche Festsetzung (Teil B) mitaufgenommen, wonach auf den Baugrundstücken die Errichtung von baulichen Anlagen, Garagen und Stellplätzen nach § 12 Abs. 6 BauNVO sowie von Nebenanlagen nach § 14 BauNVO in einem Abstand von weniger als 3 m zum Fuß der festgesetzten Knicks nicht zulässig ist. Die Baugrenze wird weitere 2 m entfernt festgesetzt, sodass die baulichen Hauptanlagen in einem Abstand von mindestens 5 m zum Knickfuß liegen. Mit der Ausweisung dieser Abstände wird gewährleistet, dass die Nutzung auf den Baugrundstücken nicht zu einer Beeinträchtigung der geschützten und zu erhaltenden Knicks führt.

Die Überhälter des westlichen und nördlichen Knicks werden erhalten und mit den Baugrenzen berücksichtigt, sodass sich die hauptbaulichen Anlagen der Wohngrundstücke außerhalb der Kronentraufbereiche dieser Bäume befinden werden. Die Bäume befinden sich unmittelbar außerhalb des Plangebietes, dennoch werden die starke Stiel-Eiche auf dem nördlichen Knick und der 50 cm Stammumfang messende Berg-Ahorn auf dem westlichen Knick als erhaltenswerte Bäume außerhalb des Geltungsbereiches dargestellt.

Eingriffe in Knicks

Im Rahmen der Planung sind folgende Eingriffe in das Knicknetz nicht zu vermeiden:

  • Für die Erschließung des Plangebietes und die Schaffung einer neuen Zufahrtsstraße vom ‚Moorredder‘ kann im südlichen Knick ein ca. 15 m breiter Abschnitt nicht erhalten werden. Von dieser Knickrodung ist auch der ca. 30 cm Stammumfang messende Berg-Ahorn betroffen. Der 15 m lange Knickabschnitt wird an die nördliche Flurstücksgrenze verschoben, um eine dort vorhandene Knicklücke im Bereich des Güllebehälters zu schließen.
  • Der verbleibende Knick im Süden des Plangebietes wird rechtlich entwidmet. Die Entwidmung erfolgt auf Hinweis der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg. Es ist insbesondere am südlichen Knick nicht auszuschließen, dass durch die Grundstückseigentümer unzulässige gärtnerische Eingriffe an den schattenwerfenden Knickgehölzen vorgenommen werden. Ein Erhalt der Biotopfunktion des Knicks kann daher nicht gewährleistet werden. Zur Vermeidung dieses Eingriffs werden insgesamt 52 m Knick entwidmet. Sie verbleiben als einbindende Grünstruktur ohne gesetzlichen Biotopschutz, zu der mit der Baugrenze ein Abstand von 3 m eingehalten wird.
  • Der östliche Knick muss für eine flächensparende Erschließung des Planbereiches und unter Berücksichtigung der notwendigen Mindestgrößen der Bauflächen verschoben werden. Er wird vollständig auf das östlich angrenzende, ackerbaulich genutzte Flurstück 90/1 verschoben und zukünftig der landwirtschaftlichen Fläche zugeordnet. Die gesetzliche Knickpflege obliegt damit dem Flächeneigentümer des Ackers bzw. dem Landwirt. Insgesamt werden 105 m Knick verschoben.
  • Durch die Verschiebung des östlichen Knicks entfällt eine vorhandene Zufahrt zur östlich außerhalb gelegenen Ackerfläche vom nördlichen Gemeindeweg aus. Um dem Landwirt weiterhin eine Zufahrt zum Acker zu ermöglichen, wird innerhalb des nordöstlichen Geltungsbereiches ein ca. 5 m langer Knickabschnitt verschoben, sodass hier eine neue Koppelzufahrt entsteht. Der nordöstliche Geltungsbereich wird dementsprechend als Fläche für die Landwirtschaft festgesetzt.

Für die Knickentwidmung ist gemäß den „Durchführungsbestimmungen zum Knickschutz“ ein Ausgleich im Verhältnis 1 : 1 zu erbringen. Für die vorgesehene Knickentwidmung des südlichen Knicks werden daher ca. 52 m Knickausgleich notwendig.

Für die Knickverschiebungen ist gem. den „Durchführungsbestimmungen zum Knickschutz“ ein Ausgleich im Verhältnis 1 : 1,75 zu erbringen. Dabei sind zusätzlich zu den verschobenen Knicks neue Knicks im Verhältnis 1 : 0,75 herzustellen. Insgesamt werden innerhalb des Plangebietes 105 m + 15 m + 5 m = ca. 125 m Knick verschoben. Zusätzlich zu dieser Knickverschiebung sind 125 m x 0,75 = ca. 94 m Knick herzustellen.

Mit den Knickverschiebungen soll zum einen eine durch den Güllebehälter entstandene Lücke im nördlichen Knicknetz geschlossen und zum anderen eine Abgrenzung zur östlichen Ackerfläche vorgenommen werden. Die Knicklücke an der nördlichen Planbereichsgrenze ist ca. 33 m lang. Zusätzlich zu den ca. 20 m verschobenen Knick (verschoben für die Erschließungsstraße sowie die neue Ackerzufahrt) können hier weitere 13 m Ausgleichsknick entstehen.

Der als östliche bzw. nordöstliche Begrenzung vorgesehene Knick wird ebenfalls länger ausfallen als die vorgenommene Knickverschiebung. Zusätzlich zu den ca. 105 m verschobenen Knick können hier ca. 19 m Ausgleichsknick entstehen.

Aus dieser Bilanzierung ergibt sich ein extern zu erbringender Knickausgleich von 146 m - 13 m - 19 m = 114 m. Der Knickausgleich erfolgt über das beim Kreis Rendsburg-Eckernförde geführte Knick-Ökokonto mit dem Aktenzeichen 67.20.34-77.

Überhälter

Im Rahmen der Knickeingriffe sind Beeinträchtigungen der Überhälter nicht zu vermeiden. Von den Knickverschiebungen ist auf dem südlichen Knick ein Berg-Ahorn mit einem Stammdurchmesser von ca. 30 cm betroffen. Der Verlust dieses Überhälters ist an dieser Stelle nicht vermeidbar, da ohne die zentral angelegte Zufahrt eine flächensparende Erschließung des kleinflächigen Plangebietes von der Straße ‚Moorredder‘ nicht möglich ist. Mit der Knickverschiebung des östlichen Knicks geht der Verlust von drei Überhältern einher. Es handelt sich um zwei Berg-Ahorne (Ø = 30 bzw. 40 cm) und eine Stiel-Eiche (Ø = ca. 30 cm).

Für Verlust der Überhälter sind insgesamt 5 Ausgleichsbäume zu pflanzen. Diese werden als neue Überhälter auf den verschobenen Knicks bzw. auf den neu angelegten Knickabschnitten gepflanzt.

Mit der Umsetzung der Maßnahmen zum Knickausgleich und zum Biotopschutz der geschützten Knicks sind die Beeinträchtigungen, die im Zuge des Bebauungsplanes Nr. 11 der Gemeinde Selk entstehen, so weit wie möglich vermieden worden. Nicht vermeidbare Eingriffe werden gemindert (z.B. Verschiebung eines Knickabschnittes, Knickentwidmung) und ausgeglichen.

3.8.2 Artenschutz

Wie aus der Beschreibung des Untersuchungsraumes zu entnehmen ist, handelt es sich bei dem betrachteten Planungsraum überwiegend um ein mäßig artenreiches Grünland nordöstlich der Ortschaft Selk, das als Pferdekoppel dient. Ein kleinflächiger Teil des östlichen Planbereiches wird durch die angrenzende Ackerfläche mit bewirtschaftet.

Die Knicks im Geltungsbereich sind überwiegend mit heimischen, landschaftstypischen Gehölzen bestockt (u.a. Stiel-Eiche, Berg-Ahorn, Weide). Überhälter finden sich auf allen Knicks. Diese weisen Stammdurchmesser von ca. 30-50 cm auf. Hervorzuheben ist eine Stiel-Eiche mit einem Stammdurchmesser von ca. 80 cm auf dem nordwestlichen Knick. Im Zuge der Umsetzung der Bebauung sind die Knicks teilweise nicht an ihrem Standort zu erhalten und werden verschoben.

Im Mittelpunkt der artenschutzrechtlichen Betrachtung steht die Prüfung, inwiefern bei Umsetzung der Bebauung am Rand des bereits baulich genutzten Bereiches Beeinträchtigungen von streng geschützten Tier- und Pflanzenarten zu erwarten sind.

Geschützte Biotope gem. § 30 BNatSchG bzw. § 21 LNatSchG sind mit Ausnahme der Knicks (§ 21 Abs. 1 Nr. 4 LNatSchG) nicht vorhanden.

Neben den Regelungen des BNatSchG ist der aktuelle Leitfaden zur Beachtung des Artenschutzrechts bei der Planfeststellung vom 25. Februar 2009 (Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV Schleswig-Holstein, Neufassung 2016)) maßgeblich.

Nach § 44 Abs. 5 BNatSchG umfasst der Prüfrahmen bei Vorhaben im Sinne des § 18 Abs. 2 Satz 1 BNatSchG - Vorhaben in Gebieten mit Bebauungsplänen nach § 30 des Baugesetzbuches, während der Planaufstellung nach § 33 des Baugesetzbuches und im Innenbereich nach § 34 des Baugesetzbuches - die europäisch streng geschützten Arten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie (FFH-RL) sowie alle europäischen Vogelarten.

Methodik: Das für die artenschutzrechtliche Konfliktanalyse einzustellende Artenspektrum ergibt sich aus den Ergebnissen einer Begehung im September 2020. Darüber hinaus wurden die Inhalte der LANIS-Daten des LLUR abgefragt (Stand August 2020). Für den Planbereich und die angrenzenden Flächen sind keine Funde für seltene oder geschützte Tier- und Pflanzenarten verzeichnet.

Im Mittelpunkt der Erfassung stehen die oben beschriebenen Knicks. Horste von Greifvögeln oder Nester von Krähen sind hier nicht festgestellt worden, sodass eine direkte Beeinträchtigung von Greifvögeln und anderen Nutzern dieser Nester, wie z.B. der Waldohreule, ausgeschlossen werden kann.

Im Zuge der Begehungen wurden die Gehölze einer visuellen Prüfung unterzogen, um so Aussagen über Höhlenbrüter treffen zu können. Darüber hinaus können Baumhöhlen Quartierhabitate für einige Fledermausarten darstellen.

Die strukturelle ökologische Ausstattung des Plangebietes kann aufgrund der bisherigen landwirtschaftlichen Nutzung als unterdurchschnittlich bewertet werden und ist deutlich durch menschlichen Einfluss geprägt. Als potentielle Lebensräume sind die Knicks mit ihren Überhältern zu bewerten.

Säuger

Im Zuge der Planung wurde an einem der außerhalb gelegenen Berg-Ahorne auf dem westlichen Knick ein Astloch festgestellt. Aufgrund ihrer Stärke sind an der Stiel-Eiche auf dem nördlichen Knick Habitate von Fledermäusen ebenfalls nicht endgültig auszuschließen. Die starke Stiel-Eiche befindet sich ebenso außerhalb des Plangebietes wie die Überhälter auf dem westlichen Knick. Sie werden daher im Zuge der Planung erhalten. Die Bäume im Plangebiet weisen keine Lebensraumeignung für Fledermäuse auf. Es konnten keine Rindenablösungen, Stammausrisse oder Baumhöhlen festgestellt werden Das Eintreten von Verbotstatbeständen gemäß § 44 BNatSchG kann daher für die vorgesehenen Eingriffe in den südlichen und östlichen Knick ausgeschlossen werden.

Es wurden im Vorhabengebiet keine Indizien (Schlafnester oder charakteristische Fraßspuren) für Vorkommen der nach Anhang IV FFH-RL und BArtSchV streng geschützten Haselmaus (Muscardinus avellanarius) festgestellt. Das Verbreitungsgebiet dieser Art ist zudem gut bekannt und liegt in Schleswig-Holstein vor allem im Südosten (LLUR 2018). Im Raum Schleswig-Flensburg sind bisher keine Vorkommen nachgewiesen.

Das Vorkommen sonstiger streng geschützter Säugetierarten (z.B. Wald-Birkenmaus, Fischotter, Wolf, Biber, Luchs) kann aufgrund der fehlenden Lebensräume und der aktuell bekannten Verbreitungssituationen (BfN 2019) ebenfalls ausgeschlossen werden. Eine artenschutzrechtliche Betroffenheit liegt daher nicht vor.

Vögel

Eine eingriffsbedingte Betroffenheit von Rastvögeln ist aufgrund der Nähe zur vorhandenen Bebauung und dem kleinflächigen Planbereich auszuschließen.

Brutvögel

Aufgrund der vorgefundenen Lebensraumstrukturen ist unter Einbeziehung der aktuellen Bestands- und Verbreitungssituation ein Vorkommen der nachfolgend dargestellten Brutvogelarten vor allem im Bereich der Knicks nicht auszuschließen (siehe nachfolgende Tabelle). Maßgeblich ist dabei die aktuelle Avifauna Schleswig-Holsteins (BERNDT et al. 2003). In diese Potentialbeschreibung ist das Fehlen von Horstbäumen einbezogen, sodass Arten wie Mäusebussard und Waldohreule ausgeschlossen werden können.

Potentielle Vorkommen von Brutvögeln im Planungsraum sowie Angaben zu den ökologischen Gilden (G = Gehölzbrüter, GB = Bindung an ältere Bäume, O = Offenlandarten, OG = halboffene Standorte). Weiterhin sind Angaben zur Gefährdung nach der Rote Liste Schleswig-Holstein (KNIEF et al. 2010) sowie der RL der Bundesrepublik (2016), 1 = vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, R = extrem selten, V = Arten der Vorwarnliste, + = nicht gefährdet), zum Schutzstatus (nach EU- oder Bundesartenschutzverordnung, s = streng geschützt, b = besonders geschützt, Anh. 1 = Anhang I der Vogelschutzrichtlinie).

Artname (dt.)Artname (lat.)GildeRL SHRL BRDSchutz-status
AmselTurdus merulaG++b
BachstelzeMotacilla albaO++b
BaumpieperAnthus trivialisOG+3b
BlaumeiseParus caeruleusGB++b
BuchfinkFringilla coelebsG++b
DohleCorvus monedulaGBV+b
Dompfaff (Gimpel)Pyrrhula pyrrhulaG++b
DorngrasmückeSylvia communisOG++b
EichelhäherGarrulus glandariusGB++b
ElsterPica picaGB++b
FasanPhasianus colchicusO++b
FeldschwirlLocustella naeviaOG+3b
FeldsperlingPasser montanusGB+Vb
FitisPhylloscopus trochilusG++b
GartenbaumläuferCerthia brachydactylaGB++b
GartengrasmückeSylvia borinG++b
GartenrotschwanzPhoenicurus phoenicurusGB+Vb
GoldammerEmberiza citrinellaOG+Vb
GrauschnäpperMusciapa striataG+Vb
GrünfinkCarduelis chlorisG++b
HänflingCarduelis cannabinaOG+3b
HaussperlingPasser domesicusOG+Vb
HeckenbraunellePrunella modularisG++b
KlappergrasmückeSylvia currucaG++b
KleiberSitta europaeaGB++b
KohlmeiseParus majorGB++b
MisteldrosselTurdus viscivorusG++b
MönchgrasmückeSylvia atricapillaG++b
RabenkräheCorvus coroneGB++b
RebhuhnPerdix perdixOGV2b
RingeltaubeColumba palumbusGB++b
RotkehlchenErithacus rubeculaG++b
SchwanzmeiseAegithalos caudatusG++b
SingdrosselTurdus philomelosG++b
SommergoldhähnchenRegulus ignicapillusG++b
StarSturnus vulgarisGB+3b
StieglitzCarduelis carduelisOG++b
TürkentaubeStreptopelia decaoctoGB++b
ZaunkönigTroglodytes troglodytesG++b
ZilpzalpPhylloscopus collybitaG++b

Diese umfangreiche Auflistung umfasst ausschließlich Arten, die in Schleswig-Holstein nicht bzw. nur auf der Vorwarnliste (Rebhuhn und Dohle) der gefährdeten Arten stehen. Die tatsächliche Artenvielfalt wird jedoch weitaus geringer ausfallen. Deutschlandweit gelten Haus- und Feldsperling, Gartenrotschwanz, Goldammer und Grauschnäpper als Arten der Vorwarnliste. Als „gefährdet“ sind bundesweit Baumpieper, Hänfling, Feldschwirl und Star eingestuft. Das Rebhuhn gilt in Deutschland als stark gefährdete Art.

Generell stellt das Artengefüge jedoch sog. „Allerweltsarten“ dar, die in der Kulturlandschaft sowie am Rand von Siedlungsgebieten regelmäßig anzutreffen sind und eine hohe Bestandsdichte zeigen. Aufgrund der strukturellen Ausstattung des Planbereiches wird die Artenvielfalt jedoch weitaus geringer ausfallen und aus relativ wenigen Individuen bestehen.

Der Großteil der aufgeführten Arten ist von Gehölzbeständen abhängig (Gebüsch- oder Baumbrüter wie z.B. Amsel, Mönchsgrasmücke oder Ringeltaube). Auch für die Bodenbrüter (z.B. Rotkehlchen, Fitis oder Zilpzalp) sind Gehölzflächen und Knicks wichtige Teillebensräume. Offene Flächen im Übergang zur Landschaft sind potentielle Lebensräume für den Fasan, die Goldammer und den Baumpieper.

Für Wiesenvögel (z.B. Kiebitz, Rotschenkel) ist der kleinflächige und von Knicks umgebene Planbereich am Rand der bebauten Ortschaft Selk als Lebensraum ungeeignet. Zudem ist das Plangebiet im Landwirtschafts- und Umweltatlas nicht als maßgebliches Wiesenvogelbrutgebiet dargestellt. Eine weitere Berücksichtigung entfällt damit.

Im Rahmen der Planung sind Knickverschiebungen und in diesem Zusammenhang Rodungen von Überhältern nicht zu vermeiden. Um das Eintreten von Verbotstatbestände gem. § 44 Abs. 1 BNatSchG ausschließen zu können, müssen diese Eingriffe in der Zeit zwischen dem 01. Oktober und Ende Februar des Folgejahres durchgeführt werden. Im Nahbereich sind mit den zu erhaltenden und den außerhalb gelegenen Knicks sowie den Hausgärten ausreichend Bruthabitate vorhanden, auf die die potentiell vorkommenden Brutvögel ausweichen können.

Aufgrund der bereits gegebenen Nähe zur Bebauung wird sich das Artenspektrum der Brutvögel im Planbereich nicht wesentlich verändern. Im Zuge der Bebauung werden mögliche Niststandorte für Gebüschbrüter im Siedlungsgrün (Gärten) sowie für Gebäudebrüter (z.B. für Mehlschwalben) entstehen, sodass sich gegenüber der bisherigen landwirtschaftlichen Nutzung auch eine Erhöhung der Artenvielfalt im Planbereich einstellen kann.

Sonstige streng geschützte Arten

Die Ausstattung des Planbereichs lässt ein Vorkommen sonstiger streng geschützter Arten nicht erwarten. Für den Nachtkerzenschwärmer (Proserpinus proserpina) fehlen die notwendigen Futterpflanzen (Nachtkerze, Weidenröschen, Blutweiderich), sodass Vorkommen auszuschließen sind. Weiterhin gilt der Norden Schleswig-Holsteins nicht als Verbreitungsgebiet dieser Art (BfN 2019).

Die totholzbewohnenden Käferarten Eremit (Osmoderma eremita) und Heldbock (Cerambyx cerdo) sind auf abgestorbene Gehölze als Lebensraum angewiesen. Die Gehölze des Planbereichs sind für diese Arten ungeeignet. Zudem gilt der Kreis Schleswig-Flensburg nicht zum aktuell bekannten Verbreitungsgebiet, sodass ein Vorkommen dieser Arten dort ebenfalls ausgeschlossen werden kann (BfN 2019).

Lebensräume streng geschützter Reptilien (z.B. Zauneidechse, Kreuzotter) sind im Plangebiet nicht vorhanden. Das Vorkommen von streng geschützten Amphibien, Libellenarten, Fischen und Weichtieren ist aufgrund fehlender Gewässer auch auszuschließen.

Pflanzen

Streng geschützte Pflanzenarten - Firnisglänzendes Sichelmoos (Hamatocaulis vernicosus), Schierlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides), Kriechender Scheiberich (Apium repens), Schwimmendes Froschkraut (Luronium natans) - sind im Planbereich nicht zu erwarten. Die betroffenen Standorte dieser Pflanzen sind in Schleswig-Holstein gut bekannt und liegen außerhalb des Plan- und Auswirkungsbereiches (BfN 2019). Innerhalb des Planbereichs wurden keine Arten der Roten Liste festgestellt. Weitere Betrachtungen sind daher nicht erforderlich.

Fazit

Mit den zu erhaltenden Grünstrukturen und dem neu entstehenden Siedlungsgrün sind im Geltungsbereich weiterhin geeignete Lebensräume für Vögel der sog. Allerweltsarten vorhanden. Verbotstatbestände gem. § 44 BNatSchG liegen bei Berücksichtigung der Bauzeitenregelung (01. Oktober. bis Ende Februar des Folgejahres) für die Knickverschiebung und die damit verbundene Rodung von Überhältern nicht vor. Sollte diese Bauzeitenregelung nicht einzuhalten sein, sind konkrete Untersuchungen an den Gehölzen vorzunehmen.

3.9 Sonstige Hinweise

Denkmalschutz

Die überplante Fläche befindet sich in einem archäologischen Interessengebiet. Bei der überplanten Fläche handelt es sich daher gem. § 12 (2) 6 DSchG um Stellen, von denen bekannt ist oder den Umständen nach zu vermuten ist, dass sich dort Kulturdenkmale befinden. Erdarbeiten in diesen Bereichen bedürfen demnach der Genehmigung des Archäologischen Landesamtes.

Gemäß § 15 DSchG gilt: Wer Kulturdenkmale entdeckt oder findet, hat dies unverzüglich unmittelbar oder über die Gemeinde der oberen Denkmalschutzbehörde mitzuteilen. Die Verpflichtung besteht ferner für die Eigentümerin oder den Eigentümer und die Besitzerin oder den Besitzer des Grundstücks oder des Gewässers, auf oder in dem der Fundort liegt, und für den Leiter der Arbeiten, die zur Entdeckung oder zu dem Fund geführt haben. Die Mitteilung einer oder eines der Verpflichteten befreit die übrigen. Die nach Satz 2 Verpflichteten haben das Kulturdenkmal und die Fundstätte in unverändertem Zustand zu erhalten, soweit es ohne erhebliche Nachteile oder Aufwendungen von Kosten geschehen kann. Diese Verpflichtung erlischt spätestens nach Ablauf von vier Wochen seit der Mitteilung.

Archäologische Kulturdenkmale sind nicht nur Funde, sondern auch dingliche Zeugnisse wie Veränderungen und Verfärbungen in der natürlichen Bodenbeschaffenheit.

Immissionsschutz

Das Plangebiet liegt im Bauschutzbereich des militärischen Flugplatzes Jagel. Hieraus ergeben sich Bauhöhenbeschränkungen gemäß § 12 Luftverkehrsgesetz, die jedoch keine Auswirkungen auf die geplanten Wohngebäude haben. Auf den vom Flugbetrieb ausgehenden Lärm wird ebenfalls hingewiesen.

Teilweise grenzen landwirtschaftliche Flächen an das Plangebiet. Auf die Grundstücke können Immissionen (Lärm, Staub, Gerüche), die aus einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen und Betriebe resultieren, einwirken.

Bodenschutz

Allgemein:

  • Beachtung der DIN 19731 'Verwertung von Bodenmaterial'
  • Der Beginn der Arbeiten ist der unteren Bodenschutzbehörde spätestens 1 Woche vorab mitzuteilen.

Vorsorgender Bodenschutz

  • Die Häufigkeit der Fahrzeugeinsätze ist zu minimieren und soweit möglich an dem zukünftigen Verkehrswegenetz zu orientieren.
  • Bei wassergesättigten Böden (breiig/flüssige Konsistenz) sind die Arbeiten einzustellen.

Bodenmanagement

  • Oberboden und Unterboden sind bei Aushub, Transport, Zwischenlagerung und Verwertung sauber getrennt zu halten. Dies gilt gleichermaßen für den Wiederauftrag / Wiedereinbau.
  • Bei den Bodenlagerflächen sind getrennte Bereiche für Ober- und Unterboden einzurichten. Eine Bodenvermischung ist grundsätzlich nicht zulässig.
  • Oberboden ist ausschließlich wieder als Oberboden zu verwenden. Eine Verwertung als Füllmaterial ist nicht zulässig.
  • Überschüssiger Oberboden ist möglichst ortsnah einer sinnvollen Verwertung zuzuführen.

Hinweis:

Für eine gegebenenfalls notwendige Verwertung von Boden auf landwirtschaftlichen Flächen ist ein Antrag auf naturschutzrechtliche Genehmigung (Aufschüttung) bei der Unteren Naturschutzbehörde zu stellen.

Kampfmittel

Gemäß der Anlage der Kampfmittelverordnung (KampfmV SH 2012) gehört die Gemeinde Selk nicht zu den Gemeinden mit bekannten Bombenabwurfgebieten. Zufallsfunde von Munition sind jedoch nicht gänzlich auszuschließen und unverzüglich der Polizei zu melden.