Planungs­dokumente: Öffentliche Auslegung zur 47. Änderung des Flächennutzungsplans für das Gebiet: Ortsteil Willinghusen, nördlich Am Eichenhain, westlich Barsbütteler Landstraße, südlich Am Bondenholz

Begründung

1. Allgemeines

Das Plangebiet liegt nordöstlich des besiedelten Bereiches des Ortsteils Willinghusen. und weist eine Größe von ca. 3,3 ha auf. Konkret handelt es sich um das Gebiet nördlich 'Am Eichenhain', westlich 'Barsbütteler Landstraße', südlich 'Am Bondenholz'.

Der gegenwärtig rechtkräftige Flächennutzungsplan stellt das Plangebiet als 'Grünfläche' dar. Nördlich des Plangebietes ist die 'Grünfläche' mit der Zweckbestimmung 'Festplatz' versehen. Die Gemeindevertretung hat am 28. Mai 2009 die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes beschlossen. Da aber nicht absehbar ist, wann der neue Flächennutzungsplan wirksam werden wird, erfolgt die 47. Änderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde Barsbüttel. Mit dieser Änderung des Flächennutzungsplanes wird die Ausweisung einer 'Wohnbaufläche' (W) im Westen, einer 'Gemeinbedarfsfläche' mit der Zweckbestimmung 'Feuerwehr' im Nordosten sowie eine 'Gemeinbedarfsfläche' mit der Zweckbestimmung 'Kindertagesstätte' im Südosten geplant. Im Osten ist zudem parallel entlang der 'Barsbütteler Landstraße' eine 'Grünfläche' mit einem überörtlicher Radweg dargestellt. Die Gemeinde verfolgt mit der Änderung des Flächennutzungsplanes insgesamt im Wesentlichen vier Ziele. Zum einen sollen dringend benötigte Wohngrundstücke für den örtlichen Bedarf bereitgestellt werden. Gleichzeitig soll dem Bedarf an zusätzlichen Kinderbetreuungsplätzen im Ortsteil Willinghusen mit dem Bau einer Kindertagesstätte nachgekommen sowie der Neubau der örtlichen Feuerwehr im Plangebiet realisiert werden. Im Zuge der Planung soll zudem der Bau eines überörtlichen Radweges entlang der 'Barsbütteler Landstraße' planungsrechtlich vorbereitet werden.

2. Übergeordnete Planungsvorgaben

Die Gemeinde Barsbüttel ist nach der 'Landesverordnung zur Festlegung der zentralen Orte und Stadtrandkerne' vom 08. September 2009 als Stadtrandkern II. Ordnung festgelegt. Die Gemeinde liegt hierbei im Ordnungsraum, der um die Freie und Hansestadt Hamburg als Oberzentrum ausgewiesen ist.

Im Landesentwicklungsplan Schleswig-Holstein 2010 (LEP) ist unter Ziffer 2.2 als raumordnerisches Ziel festgelegt, dass "die zentralen Orte und Stadtrandkerne Schwerpunkte für Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen sowie für die wohnbauliche und gewerbliche Entwicklung […] und als solche zu sichern und zu stärken" sind. Dies trifft für die Gemeinde Barsbüttel allerdings nur für den Hauptort 'Barsbüttel' und nicht für die Ortsteile Willinghusen, Stellau und Stemwarde zu.

Das Plangebiet liegt im Ortsteil Willinghusen. Für Willinghusen (gleichermaßen für Stemwarde und Stellau) ist die Vorgabe, wonach bis zur Aufstellung neuer Regionalpläne im Zeitraum von 2010 bis 2025, bezogen auf den Wohnungsbestand am 31. Dezember 2009, neue Wohnungen im Umfang von bis zu 15 % hinzu kommen dürfen, maßgeblich.

Am 27.11.2018 wurde der Entwurf zur Fortschreibung des Landesentwicklungs-planes beschlossen. Als Sofortmaßnahme, um der hohen Nachfrage nach Wohnraum zu begegnen, wurde mit Offenlegung des Planentwurfes der wohnbauliche Entwicklungsrahmen aktualisiert. In Gemeinden, die keine Schwerpunkte für den Wohnungsbau sind, wie der Ortsteil Willinghusen, können bezogen auf ihren höheren Wohnungsbestand am 31. Dezember 2017 wieder 15 % neue Wohnungen gebaut werden. Das Kontingent des Wohnbauentwicklungs-rahmens wird damit wieder auf Null gesetzt.

In § 1 Abs. 5 Satz 3 BauGB wird geregelt, dass die "städtebauliche Entwicklung vorrangig durch Maßnahmen der Innenentwicklung erfolgen" soll. Vor diesem Hintergrund hat die Gemeinde für alle Ortsteile die Potenzialflächen für die Innenentwicklung ermitteln lassen. Die WRS Architekten & Stadtplaner GmbH gelangen in ihrer Ausarbeitung vom 14. April 2015 für den Ortsteil Willinghusen zu dem Ergebnis, dass innerhalb der Kernzone das Potenzial für 4 Wohneinheiten und in der Randzone für 65 Wohneinheiten besteht und im Wege der Nachverdichtung in der Kernzone bis zu 101 Wohneinheiten geschaffen werden können. Weiter heißt es in der Legende des Plans der 'Wohnflächenpotenzialanalyse Ortsteil Willinghusen', dass die Realisierbarkeit dieser Potenziale in der Rand- und Kernzone bei 60 %, bei der Nachverdichtung in der Kernzone bei 10 % liegt.

Wie viele zusätzliche Wohneinheiten (WE) innerhalb der Ortslage Willinghusen aufgrund der landesplanerischen Vorgaben bis 2025 noch errichtet werden dürfen, ergibt sich aus nachfolgender Berechnung. Sie berücksichtigt die Tatsache, dass Willinghusen im Ordnungsraum liegt sowie die kurz- und mittelfristig realisierbaren Innenbereichspotenziale. Die Berechnungen berücksichtigen aber noch nicht, dass das Kontingent des Wohnbauentwicklungsrahmens zum Stichtag 31. Dezember 2017 auf Null gesetzt wurde.

Laut den Erläuterungen des Entwurfes des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Barsbüttel hatte Willinghusen mit Stand vom 31. Dezember 2009 insgesamt 903 Wohneinheiten und darf laut Landesentwicklungsplan die Wohneinheiten bis zum Jahr 2025 um bis zu 15 % erhöhen.

903 WE + 15% = 1.038 WE (+ 135 WE)

135 zusätzliche WE bis 2025

abzgl. mittelfristig umsetzbare Wohnbau-

potenziale der Kernzone

(60 % von 4 WE) 2 WE

abzgl. mittelfristig umsetzbare Wohnbau-

potenziale der Randzone

(60 % von 65 WE) 39 WE

abzgl. mittelfristig umsetzbare Nach-

verdichtungspotenziale der Kernzone

(10 % von 101 WE) 10 WE

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Verbleibender Entwicklungsspielraum 84 WE bis 2025

Am 28. September 2017 wurde der Bebauungsplan Nr. 2.15 für das Gebiet östlich der Wohnbebauung 'Stemwarder Landstraße', nördlich Buskehre rechtkräftig. Das Plangebiet wird gegenwärtig entwickelt. Bei Ausschöpfung könnten im Plangebiet des Bebauungsplanes Nr. 2.15 insgesamt zwischen 17 und 25 neue Wohneinheiten entstehen. Diese sind von den 84 Wohneinheiten abzuziehen.

Im Ergebnis dürfen in Willinghusen, wenn man den Ortsteil allein für sich selbst betrachtet und nicht übergreifend als Teil des Gemeindegebietes, bis zum Jahr 2025 noch mindestens 59 Wohneinheiten ausgewiesen werden. Da zu erwarten ist, dass sich der Wohnungsbestand gegenüber dem Jahr 2009 im Jahr 2017 bereits erhöht hat, liegt der wohnbauliche Entwicklungsrahmen vermutlich über den mindestens ermittelten 59 zusätzlichen Wohneinheiten.

Die '1. Fortschreibung der kleinräumigen Bevölkerungsprognose Kreis Stormarn', Verfasser: Gertz - Gutsche - Rümenapp, Hamburg 2017, geht für die Gemeinde Barsbüttel für den Zeitraum von 2014 bis 2030 von 850 zusätzlichen Einwohnern aus. In diese Prognosen fügen sich die Aussagen des in Aufstellung befindlichen neuen Flächennutzungsplanes der Gemeinde ein, die von einem Bedarf von mindestens 500 zusätzlichen Wohneinheiten allein für den Ortsteil Barsbüttel ausgehen.

Um den bis zum Jahr 2030 ermittelten Bedarf an Wohneinheiten decken zu können, müssen neben den Wohnbaupotenzialen innerhalb des bebauten Raumes neue Wohnangebote auch im Außenbereich geschaffen werden. Aus diesem Grund hat sich die Gemeinde dazu entschlossen, dem dringend benötigten Bedarf an Wohngrundstücken für den örtlichen Bedarf mit der Ausweisung eines Wohngebietes zu begegnen. Gleichzeitig sollen der Neubau der örtlichen Feuerwache sowie eine Kindertagesstätte im Plangebiet realisiert werden.

3. Vorhandene und geplante Nutzungen

Der Planbereich besteht zurzeit aus einer intensiv genutzten Ackerfläche, die im Westen, Osten und zum Teil im Süden durch einen Knick begrenzt wird. Südlich und östlich des Plangebietes schließt Wohnbebauung an das Plangebiet an. Diese wird überwiegend von lockerer Einfamilienhausbebauung dominiert. Westlich und nördlich des Plangebietes befinden sich landwirtschaftlich genutzte Flächen. Etwas weiter nördlich befindet sich ein Reitstall und lockere Einfamilienhausbebauung.

Der gegenwärtig wirksame Flächennutzungsplan stellt das Plangebiet als 'Grünfläche' dar. Mit der 47. Änderung des Flächennutzungsplanes wird die Ausweisung einer 'Wohnbaufläche' im Westen, einer 'Gemeinbedarfsfläche' mit der Zweckbestimmung 'Feuerwehr' im Nordosten sowie eine 'Gemeinbedarfsfläche' mit der Zweckbestimmung 'Kindertagesstätte' im Südosten geplant. Im Osten ist zudem eine Grünfläche mit einem überörtlicher Radweg dargestellt. Die konkrete Ausgestaltung des Plangebietes bleibt dem Bebauungsplan Nr. 2.16 vorbehalten.

Die Änderung des Flächennutzungsplanes erfolgt vor dem Hintergrund, dringend benötigten Wohnraum für den örtlichen Bedarf bereitzustellen. Im Ort bestehen zurzeit keine Möglichkeiten, Baulandreserven bzw. Innenentwicklungspotentiale zeitnah zu aktivieren. Die wachsende Nachfrage nach Wohngrundstücken kann durch die kleinteiligen Innenentwicklungspotenziale nicht befriedigt werden.

Neben der Schaffung von dringend genötigtem Wohnraum für den örtlichen Bedarf ist der Neubau der örtlichen Feuerwache der zweite Anlass der hiesigen Planung. Die jetzige Wache südlich der Grundschule Willinghusen ist zu klein und erfüllt nicht mehr die aktuellen Sicherheitsanforderungen. Erweiterungsmöglichkeiten am bestehenden Standort gibt es keine.

Gleichzeitig soll der Bau einer zusätzlichen Kindertagesstätte planungsrechtlich vorbereitet werden, um das Angebot an dringend benötigten Betreuungsplätzen zu verbessern. Im Zuge der Planung sollen ebenfalls die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bau eines überörtlichen Radweges entlang der 'Barsbütteler Landstraße' geschaffen werden.