Planungs­dokumente: Bebauungsplan Nr. 17 der Gemeinde Kosel für das Gebiet "Baugebiet 'Zum Strand' im Ortsteil Weseby" - erneute Beteiligung

Begründung

3.7.2 Versickerung

Um den Eingriff in den Boden- und Wasserhaushalt so gering wie möglich zu halten, wird die Festsetzung „Das auf den Grundstücken anfallende Niederschlagswasser ist durch geeignete Vorkehrungen (Versickerungsmulden, -gräben, -schächte) auf den Baugrundstücken zu versickern.“ in den Text (Teil B) des Bebauungsplanes aufgenommen.

Durch diese Festsetzungen wird das anfallende Niederschlagwasser weitestgehend vor Ort versickert und damit dem örtlichen natürlichen Wasserkreislauf nicht entzogen.

Um den Eingriff in den Boden- und Wasserhaushalt so gering wie möglich zu halten, wird weiterhin die Festsetzung, dass Stellplätze mit ihren Zufahrten nur in wasserdurchlässiger Ausführung zulässig sind, in den Bebauungsplan aufgenommen. Diese Festsetzung dient auch dem städtebaulichen Ziel einer offenen durchgrünten Bebauungsstruktur.

3.7.3 Bäume

Innerhalb des nordwestlichen Planbereiches befinden mehrere Gehölze. Es handelt sich um eine 130 cm Stammdurchmesser messende Blutbuche sowie um zwei Berg-Ahorne mit jeweils 40 cm Stammdurchmesser.

Der Erhalt dieser Bäume ist bei der vorgesehenen Neubebauung auf der durch die vorhandenen Gebäude vorbelasteten Fläche nicht möglich, da die in der DIN 18920 für diesen Fall vorgesehene Freihaltung des Kronentraufbereiches zusätzlich eines weiteren Randstreifens von 1,50 m eine Bebauung der Grundstücksteile ausschließen würde. Dies ist nicht das Ziel der Gemeinde Kosel, die mit der vorliegenden Planung gemäß den Vorgaben der Landesplanung die Nachverdichtung und Entwicklung des Innenbereiches anstrebt. Weiterhin soll das Entstehen einer Baulücke vermieden werden, die zukünftig gemäß § 34 BauGB ohne Bebauungsplan und Ausgleichsnotwendigkeiten bebaut werden könnte.

Eingriffe in den Kronentraufbereich der Bäume wären durch den Erhalt der vorhandenen Gebäude im westlichen Plangebiet und einen Verzicht auf das Baufeld Nr. 1 zu vermeiden. Eine Fortnutzung dieser Gebäude ist jedoch nicht vorgesehen, da die landwirtschaftliche Nutzung im Plangebiet aufgegeben wird. Eine zeitgemäße Nachnutzung des im westlichen Plangebiet befindlichen Wohngebäudes kann insbesondere aus energetischen Gründen nur mit erheblichen Sanierungs- und Umbauarbeiten erfolgen, die zumindest die Krone der Blutbuche mit beeinträchtigen. Ohne entsprechende Sanierung würde das Gebäude in den Leerstand übergehen, welcher langfristig den Verfall des Gebäudes bedeutet. Die damit verbundenen Beeinträchtigungen des Ortsbildes will die Gemeinde Kosel ebenfalls vermeiden. Mit einem Erhalt der Gebäude im westlichen Plangebiet wären auch Einschränkungen des östlichen Plangebietes verbunden. So müsste u.a. die vorgesehene Erschließung an anderer Stelle erfolgen, wodurch weitere potentielle Bauflächen entfallen würden. Dies steht ebenfalls im Widerspruch zur angestrebten Nachverdichtung im Innenbereich.

Im Zuge der bereits genehmigten Abrissarbeiten der vorhandenen Gebäude sind Beeinträchtigungen (Verdichtung des Bodens, mechanische Schädigung der Wurzeln und Krone, Abgrabungen) im Kronentraufbereich und damit dem Hauptwurzelraum der Bäume nicht zu vermeiden. Zum Teil befinden sich die abzureißenden Gebäude weniger als 2 m entfernt zum Stamm der Blutbuche. Notwendige Mindestabstände zum Stamm, wie sie in gängigen Regenwerken zum Baumschutz wie der DIN 18920 und der RAS-LP 4 definiert werden, können nicht eingehalten werden.

Insbesondere Buchen vertragen als Herzwurzler mit flachen, weitverzweigten Wurzeln keine Eingriffe wie Bodenverdichtungen und Abgrabungen im Wurzelraum. Diese führen zu einer Verringerung der Luft- und Wasserzufuhr und zu mechanischen Schädigungen der oberflächennahen Feinwurzeln. Durch den Baustellenverkehr und die Abriss-/Baumaßnahmen sind Schädigungen der Feinwurzeln nicht vermeidbar. Eine Schädigung der für die Nährstoff- und Wasseraufnahme notwendigen Wurzeln sorgt für eine Schwächung des Baumes und einer deutlich höheren Anfälligkeit gegenüber pilzlichen und tierischen Schädlingen. Mittelfristig stirbt der Baum oder verliert seine Standsicherheit. Auch ein Freilegen der Feinwurzeln kann im Zuge der Arbeiten im Plangebiet nicht ausgeschlossen werden. Diese sterben durch anschließende Austrocknung und mindern ebenfalls die Standsicherheit des Baumes.

Die fachgerechte Rodung der Bäume mit entsprechendem ortsnahen Ausgleich und Berücksichtigung der artenschutzrechtlichen Belange stellt aus Sicht der Gemeinde der landesplanerisch gewollten Nachnutzung ehemaliger landwirtschaftlicher Betriebe im Innenbereich einen verträglichen Eingriff dar. Die Bäume werden daher nicht erhalten und im Rahmen der Bauleitplanung entsprechend der „Durchführungsbestimmungen zum Knickschutz“ vom 20.01.2017 ausgeglichen. Demnach ist bis zu einem Meter Stammumfang des zu fällenden Baumes ein Ersatzbaum zu pflanzen. Für jede weitere 50 cm Stammumfang wird ein weiterer Ersatzbaum notwendig. Damit sind für die Blutbuche 8 Ersatzbäume und für die beiden Berg-Ahorne insgesamt 4 Ersatzbäume zu pflanzen.

Die Ersatzbäume werden auf verschiedenen Flächen im Gemeindegebiet gepflanzt. Die Gemeinde sieht die Pflanzung von insgesamt 6 Ersatzbäumen auf dem Flurstück 2/1 der Flur 4, Gemarkung und Gemeinde Kosel vor. Dieses Flurstück ist Eigentum der Gemeinde Kosel.

Die Fläche weist einen Laub- und Nadelholzmischwald auf, der derzeit durch die Gemeinde zu einem Laubwald umgebaut wird. Zu diesem Zweck werden die Nadelgehölze aus dem Bestand entfernt. Die Gemeinde wird die 6 Ersatzbäume in Bereichen pflanzen, die durch die Entfernung der Nadelgehölze stark ausgelichtet werden. Vorgesehen ist die Pflanzung von heimischen, standortgerechten, waldtypischen Baumarten wie Stiel-Eiche, Rot-Buche, Vogel-Kirsche oder Winter-Linde.

Weitere 3 Ersatzbäume werden auf dem Flurstück 1/21 der Flur 7, Gemarkung und Gemeinde Kosel gepflanzt. Die als Koppel genutzte Fläche befindet sich am Langsee, wo die Gemeinde einen öffentlichen Zugang zum See schaffen möchte. Zur Einbindung dieses Zuganges und als Abgrenzung zur weiterhin als Koppel genutzten östlichen Fläche werden die Bäume in Reihe parallel zum westlichen Knick auf dem südlichen Flurstück gepflanzt. Vorgesehen ist die Pflanzung von heimischen, standortgerechten Baumarten wie Stiel-Eiche, Rot-Buche oder Winter-Linde.

Die verbleibenden 3 Ersatzbäume werden im Ortsteil Weseby auf dem Flurstück 95/11 der Flur 8, Gemarkung und Gemeinde Kosel gepflanzt. Die gemeindeeigne Fläche, die sich ca. 45 m entfernt und in Sichtlinie zum Eingriffsort befindet, wird als Buswendeplatz genutzt. Langfristig können sich die Ersatzbäume an diesem Standort zu landschafts- und ortsbestimmenden Bäumen innerhalb des Ortsteils Weseby entwickeln. Gepflanzt werden heimische und standortgerechte Baumarten wie Stiel-Eiche oder Winter-Linde. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zur ländlich geprägten Ortschaft kann auch die Pflanzung von Blutbuchen, die typisch für alte Hofstellen ist, in Betracht gezogen werden.

Die insgesamt 12 Ersatzbäume sind mit einem Stammumfang von mind. 12 cm zu pflanzen. Die Bäume werden mit einem Dreibock und fachgerechter Bindung befestigt und vor Wildschäden durch einen Wildschutzzaun um den Dreibock herum gesichert. Die Ersatzbäume sind als Ausgleichsmaßnahme für den Verlust der Bäume im Planbereich des Bebauungsplanes auf Dauer zu erhalten.

3.7.4 Biotope

Im Zuge der Begehung im September 2019 sind im Plangebiet zwei Knicks festgestellt worden. Diese Knicks stellen geschützte Biotope gem. § 21 Abs. 1 Nr. 4 LNatSchG dar und sind entsprechend zu berücksichtigen.

Ein Knick verläuft entlang der östlichen Planbereichsgrenze. Hier stocken Flieder, Mirabelle und Berg-Ahorn. Weiterhin befindet sich auf dem Knick eine Linde, die einen Stammdurchmesser von ca. 120 cm aufweist. Der Knick und die landschafts- und ortsbildprägende Linde werden im Zuge der Planung erhalten. Entlang des Knicks wird eine 3 m breite private Grünfläche mit der Zweckbestimmung „Knickschutzstreifen“ festgesetzt. Es wird zudem eine textliche Festsetzung mit aufgenommen, wonach auf den Baugrundstücken die privaten Grünflächen mit der Zweckbestimmung ‚Knickschutzstreifen‘ von baulichen Anlagen, Garagen und Stellplätzen gem. § 12 Abs. 6 BauNVO sowie von Nebenanlagen gem. § 14 BauNVO freizuhalten ist. Mit den Baugrenzen werden weitere 2 m Abstand zum Knickschutzstreifen eingehalten, sodass sich hochbauliche Anlagen in einem Mindestabstand von 5 m zum Knick befinden. Mit der Ausweisung dieser Abstände wird gewährleistet, dass die Nutzung auf den Baugrundstücken nicht zu einer Beeinträchtigung des geschützten Knicks führt.

Die Baugrenzen berücksichtigen weiterhin den Kronentraufbereich der als zu erhaltend festgesetzten Linde. Beeinträchtigungen des Baumes sind damit auszuschließen.

Ein zweiter Knick verläuft entlang der Straße ‚Zum Strand‘. Auf dem Wall bzw. an der zur Straße hin geneigten Böschung stocken Mirabelle, Birke, Stiel-Eiche und Berg-Ahorn. Außerdem befindet sich hier eine Stiel-Eiche mit ca. 25 cm Stammdurchmesser. Die Knick mit einer Gesamtlänge von ca. 33 m kann aufgrund der neuen Grundstückszufahrten und der möglichst flächensparenden Nutzung der Grundstücke nicht erhalten werden. Es wird ein separater Antrag auf Knickrodung beim Kreis Rendsburg-Eckernförde gestellt. Die „Durchführungsbestimmungen zum Knickschutz“ sehen bei einer Knickrodung einen Ausgleich im Verhältnis 1 : 2 vor. Als Ausgleich für den gerodeten Knick sind insgesamt 33 m x 2 = 66 m neuer Knick anzulegen.

Die Gemeinde Kosel wird den notwendigen Knickausgleich auf dem Flurstück 60/1 der Flur 8, Gemarkung und Gemeinde Kosel durchführen. Die Fläche ist als Acker in Nutzung und grenzt an den Langsee an. Die Ackerfläche geht auf dem Flurstück in einen Hang zum Langsee über. Dieser ist überwiegend mit Gehölzen bestockt.

Mit dem Flächeneigentümer wurde vereinbart, dass entlang der östlichen Hangkante zum Langsee oberhalb der Böschung auf der Ackerfläche ein neuer Knick in einer Länge von 66 m Länge angelegt wird. Dieser neue Knick verhindert ein Abfließen von Niederschlagwasser in den Langsee. Durch die Anlage des Knicks wird dies verhindert.

Der Knick wird mit einer Fußbreite von 3 m und einer Höhe von ca. 1,3 m angelegt. Auf der ca. 1 m breiten Wallkrone werden in einer Mulde zwei Gehölzreihen in einem Abstand von ca. 80 cm zueinander angelegt. Der Knick wird mit einer Pflanzdichte von 3 Gehölzen je Meter bepflanzt. Vorgesehen ist eine Mischung aus 30 % Baumarten und 70 % Sträuchern. Es sind heimische, orts- und knicktypische Arten (z.B. Stiel-Eiche, Rot-Buche, Birke, Weiß-Dorn, Schlehe, Pfaffenhütchen, Haselnuss, Schneeball) zu verwenden. Die Gehölze werden in der Qualität Heister (Baumarten) 100 – 125 cm und als Sträucher 60 – 100 cm verwendet.

Notwendig ist ein Ausgleichsknick von 66 m Länge. Die übrigen 44 m Knick werden als Knickökokonto für die Gemeinde Kosel für Eingriffe in Knicks an anderer Stelle angelegt.

Weitere geschützte Biotope gem. § 30 BNatSchG bzw. § 21 LNatSchG liegen im Planbereich nicht vor.